8.510 Euro pro Wohnung: Dressels Staatsimmobilienpolitik verliert jedes Maß

Finn Ole Ritter: „Der Staat ist der schlechteste Unternehmer – der Mundsburg Tower liefert dafür gerade ein Lehrbuchbeispiel“

Die FDP Hamburg übt scharfe Kritik an den bekannt gewordenen Kosten für die Unterbringung von Geflüchteten im Mundsburg Tower. Nach Angaben des Senats verursachten die 77 als öffentlich-rechtliche Unterkunft genutzten Wohnungen dort im Jahr 2025 Kosten von insgesamt rund 7,9 Millionen Euro. Das entspricht rechnerisch 8.510 Euro pro Wohnung und Monat. Im selben Gebäude wurden weitere 56 Wohnungen regulär vermietet – für durchschnittlich rund 1.550 Euro monatlich. Der Kaufpreis des 2023 von einem städtischen Unternehmen erworbenen Hochhauses wurde bislang nicht veröffentlicht. 

Dazu erklärt Finn Ole Ritter, Landesvorsitzender der FDP Hamburg:
„8.510 Euro im Monat für eine Wohnung in öffentlicher Unterbringung – diese Zahl muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Natürlich sind darin neben der eigentlichen Unterbringung auch Betreuungs- und Sozialleistungen enthalten. Aber gerade dann muss der Senat endlich offenlegen, wie sich diese exorbitanten Kosten zusammensetzen und weshalb ausgerechnet diese Immobilie wirtschaftlich sinnvoll sein soll.“

Ritter sieht insbesondere Finanzsenator Dr. Andreas Dressel in der Verantwortung. Erst wenige Tage zuvor hatte die Finanzbehörde ihre positive Flächenbilanz hervorgehoben. Einschließlich der Grundstücke städtischer Unternehmen befinden sich nach Angaben der Stadt inzwischen 49,5 Prozent der Hamburger Stadtfläche in öffentlichem Eigentum. Dressel selbst bezeichnet die Bodenpolitik des Senats als engagiert und vorausschauend. 

Ritter dazu: „Finanzsenator Dressel feiert sich dafür, dass der Staat einschließlich seiner Unternehmen mittlerweile über fast die Hälfte der Hamburger Fläche verfügt. Gleichzeitig erleben wir am Mundsburg Tower, wohin staatliches Unternehmertum führen kann: Der Staat kauft Immobilien, schweigt über den Kaufpreis und produziert anschließend Kosten, die jeder private Eigentümer seinen Mietern kaum erklären könnte. Der Staat ist der schlechteste aller Unternehmer. Das gilt auch für die SPD und ihren Finanzsenator.“

Die FDP kritisiert dabei ausdrücklich nicht die notwendige Unterbringung von Geflüchteten, sondern den Umgang des Senats mit Steuergeld und knappen Immobilienressourcen.

„Menschen, die Schutz benötigen, müssen menschenwürdig untergebracht werden. Aber daraus folgt kein Freibrief für wirtschaftlich fragwürdige Entscheidungen. Soziale Verantwortung und wirtschaftliche Vernunft sind keine Gegensätze.“

Besonders problematisch sei die politische Signalwirkung. Während zahlreiche Hamburger trotz Vollzeitarbeit kaum noch bezahlbaren Wohnraum in zentralen Stadtteilen finden und Arbeitnehmer aus kostengünstigeren Randlagen täglich lange Wege zu ihren Arbeitsplätzen zurücklegen müssen, leiste sich die Stadt eine außergewöhnlich kostspielige Form öffentlicher Unterbringung in zentraler Lage.

Ritter weiter: „Wer morgens eine Stunde mit Bus und Bahn zur Arbeit fährt, Steuern zahlt und trotzdem kaum eine bezahlbare Wohnung findet, darf vom Senat erwarten, dass mit seinem Geld verantwortungsvoll umgegangen wird. 8.510 Euro monatliche Kosten pro Wohnung sind gegenüber diesen Menschen zumindest in höchstem Maße erklärungsbedürftig. Das ist keine Frage von Herkunft oder Flüchtlingsstatus, sondern eine Frage elementarer Leistungsgerechtigkeit.“

Im Jahr 2025 gab Hamburg nach Senatsangaben insgesamt rund € 636 Millionen für die Unterbringung Geflüchteter aus, davon etwa € 173 Millionen für Hotels. Im Mundsburg Tower lagen die rechnerischen Kosten mit rund 1.950 Euro je untergebrachter Person und Monat deutlich über dem damaligen hamburgweiten Durchschnitt von rund 1.260 Euro.

Die FDP Hamburg fordert deshalb vollständige Transparenz über Erwerb und Betrieb des Mundsburg Towers.

Finn Ole Ritter abschließend: „Wir wollen wissen, was dieses Gebäude den Hamburger Steuerzahler tatsächlich gekostet hat, warum der Kaufpreis bis heute nicht offengelegt wurde, wie sich die 8.510 Euro je Wohnung im Einzelnen zusammensetzen und welche Alternativen geprüft wurden. Es kann nicht sein, dass der Senat bei immer höheren Staatsausgaben nach mehr Einnahmen ruft, während er gleichzeitig bei seinem eigenen Immobilienmanagement offensichtlich jedes Gefühl für Größenordnungen verliert.

Hamburg braucht nicht immer mehr Staat als Grundeigentümer, Vermieter und Immobilienunternehmer. Hamburg braucht einen Staat, der mit dem Geld seiner Bürger so sorgfältig umgeht, als wäre es sein eigenes. Genau daran fehlt es diesem Senat.“